Das Leben des Brian oder Frohes Leiden

Das Leben des Brian fröhlich

Mit „Das Leben des Brian“ schufen Monthy Python den frühen Gegenentwurf zu Mel Gibsons „Passion Christi“. Anstatt das Martyrium Jesu in epischer Breite und Detailverliebtheit darzustellen, nahmen sie dem Ganzen die Schwere. Brian (also Jesus) pfeift am Kreuz ein fröhliches Liedchen: Always look on the bright side of life!

Die Kirche lief dagegen Ende der Siebziger Sturm. Denn wenn Jesus nicht für uns und unsere Sünden am Kreuz gelitten hat, funktioniert die ganze Ritualmord-Sache nicht besonders gut. Jesus darf nicht pfeifen, sonst bleiben wir unerlöst. Die Pythons trafen die christliche Kirche mit ihrer Satire also mitten ins Herz.

Wie leidvoll ist die Akzeptanz?

Aber damit legten sie nebenbei auch einen wesentlichen Widerspruch der Religion offen: Jesus stirbt freiwillig am Kreuz, er unterwirft sich dem Willen Gottes und akzeptiert das Leiden. Wie viel Leiden kann in dieser Freiwilligkeit stecken? Oder anders gefragt: Wenn jemand für seine Lebensaufgabe (Schreiben, Kinder großziehen, Filme drehen, Tischlern, suchen Sie sich etwas aus) bereit ist, Höllenqualen zu leiden, kann man dann noch von Leiden oder Unglück sprechen?

Hier ist eine Unterscheidung notwendig: Es gibt das physische Leiden, dem Jesus oder die Mutter von vier Kindern nicht entkommen können. Das Kreuz, die Dornenkrone oder die durchwachten Nächte, die Entbehrungen, sie verursachen reales körperliches Leid. Aber es gibt auch noch das emotionale Leiden, das davon bei gesunden Menschen völlig unabhängig ist. Wir können uns schinden und trotzdem kein emotionales Leid verspüren.

Das Leben des Brian als Tabubruch par excellence

Die weit wirkungsvollere Interpretation der Kreuzigung Jesu besteht also darin, sie als Metapher dafür zu verstehen, dass das Leid, mit dem jedes Leben unabänderlich verknüpft ist, seine Rechtfertigung erfahren kann, wenn es einem höheren Zweck dient. Dieser Zweck aber kann nicht ein abstrakter Gott sein oder ein Kollektiv. Auch Jesus stirbt nicht für uns oder für Gottes Willen. Er ist bereit, für seine individuelle Aufgabe zu sterben, die er in sich selbst gefunden hat.

Mit Jesus am Kreuz treten die beiden Formen des Leidens zum ersten Mal auseinander. „Das Leben des Brian“ hat es zwar nicht geschafft, diese Unterscheidung im erwähnten Sinne fruchtbar zu machen – die gute Seite des Lebens im Blick zu behalten, mündet in einen stumpfen Hedonismus. Aber der große Tabubruch, die Prämisse der Passion Christi zu hinterfragen und ihr fröhliche Akzeptanz entgegenzusetzen, bildet den Ausgangspunkt für einen Mythos des Individuums.

 

Bildquelle CrisG