Mit Nestlé reden

Klöckner Nestlé

5 Prozent! Um ganze 5 Prozent will Nestlé in den nächsten Jahren den Anteil von Zucker, Fett und Salz in seinen Fertigprodukten reduzieren. In den letzten Jahren sind es laut Konzernangaben schon 10 Prozent gewesen. Das geht d’accord mit der sogenannten Reduktions- und Innovationsstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das setzt in Person von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf Gesprächstherapie und Gruppensitzungen mit den großen Lebensmittelkonzernen. Offenbar eine Erfolgsgeschichte!

Nestlé findet 15 Prozent super

Die insgesamt 15% hält Klöckner generell für eine gute Kennziffer. Auch bei Erfrischungsgetränken strebt sie eine Reduzierung der Kalorienzahl in dieser Größenordnung an. Ein Liter Cola hat übrigens 420 Kalorien und enthält 106 g Zucker. Ein Minus von 15 Prozent ergibt also bloß noch 357 kcal und schlappe 90 g Zucker. Der empfohlene tägliche Zuckerkonsum für einen Erwachsenen liegt übrigens bei um die 20 g.

Aber Frau Klöckner hält bei dieser Frage eben absolut gar nichts von Verboten. Oder Gesetzen. Sie setzt lieber auf das Verantwortungsbewusstsein der Konzerne. Zum Beispiel im Fall Nestlé. Zu Nestlé gehören Produkte wie Maggifix, Wagner-Pizza oder Mövenpick-Eis. Ob Nestlé das mit der eigenen Verantwortung immer so genau nimmt? Zum Beispiel, als der Konzern Müttern aus Entwicklungsländern suggerierte, Stillen sei ungesund und sie sollten ihre Babys lieber mit Nestlé-Produkten füttern, woraufhin diese dann leider manchmal starben? Fraglich.

Verhandeln oder Gesetze beschließen?

Dennoch zeigt sich die Bundesernährungsministerin im Video mit einem Nestlé-Manager so hocherfreut über den 5%-Erfolg, dass man meinen könnte, sie sei in der FDP. Von dort wird sie dann auch gleich für ihren „Verhandlungserfolg“ beglückwünscht. In Großbritannien gibt es übrigens eine Zuckersteuer. Deshalb sind dort in einem Liter Sprite nur noch 33 g Zucker zu finden. In Deutschland sind es nach wie vor 90 g, Klöckners Ziel liegt bei 76 g.

Das Kernproblem der ganzen Sache ist aber der Ausverkauf der politischen Handlungsmacht, der in all dem Gerede und Händeschütteln zum Ausdruck kommt. Weshalb sieht sich eine Politikerin genötigt, mit Großkonzernen über den Zuckergehalt von Getränken zu verhandeln? Wieso verabschiedet sie nicht einfach ein entsprechendes Gesetz?

Sollen Politiker in Zukunft auch erstmal mit Sexualstraftätern sprechen, wenn sie das Strafrecht verschärfen wollen? Das wäre absurd. Geht es um Industrie und Großkonzerne, soll diese Denkfigur plötzlich plausibel sein. Mehr muss man nicht wissen über den Zustand der deutschen Politik.

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